Dass ein Gebäude funktionieren soll, ist eine praktische Forderung, die sich an Entwurf und Bau der Architektur richtet. „Funktion“ ist Teil des Objektes und bezieht sich auf einen übergeordneten Zusammenhang, eine Struktur, einen Organismus, ein Ganzes, beispielshalber ein Gebäude. Daher lässt sich die „Funktion“ auch als grundlegende Eigenart eines Gebäudes beschreiben. In Abhebung von den allzu oft synonym angewandten Begriffen, denen des „Zwecks“ oder des „Gebrauchs“ (Nutzung), unterhält der Begriff „Funktion“ keine unmittelbare Beziehung zu einem (veranlassenden) Subjekt. Mit anderen Worten: wenn wir vom „Gebrauch“ sprechen, meinen wir das „Wohnen“, wenn wir über den Zweck reden, zielen wir auf die „Wohnenden“, wenn wir hier aber nach „Funktion“ fragen, dann ist – um im Beispiel zu bleiben – das „Wohngebäude“ unmittelbar angesprochen. „Wohnen“ ist demnach weder Funktion noch Eigenart des Gebäudes, vielmehr rekurriert das Wort auf den Gebrauch des Gebäudes, allgemeiner noch auf die Verfasstheit der Wohnenden selbst. Dagegen ist „Funktion“ des Gebäudes, das „Wohnen“ (zuallererst wohl) räumlich zu ermöglichen, das „Wohnen“ einzuräumen, wobei mit „Funktion“ nicht die Räume selbst gemeint sein können, als vielmehr die der Räumlichkeit eines Gebäudes hinterlegten Gebrauchsabsichten, -konzepte und -vorschläge oder auch -anweisungen. Da wir uns den Themen der Tagung jeweils über konkrete Gebäude annähern wollen, haben wir hier explizit den Begriff „Funktion“ gewählt.

Die 3. Aachener Tagung thematisiert die „Funktion“ als grundsätzliche Einflussgröße bei Entwurf und Bau von Architektur und Stadt.

Über seine Funktion öffnet sich ein Gebäude dem Gebrauch und dem Zweck. Dieses „Offenhalten“ soll Brauchbarkeit und Zweckmäßigkeit des Gebäudes sicherstellen, doch die Art und Weise, in der Architektur diesem Ansinnen in der Funktion eines Gebäudes nachkommt, sind mitnichten von vorneherein eindeutig festgelegt und bestimmt. Immerzu stellt sich die „Funktion“ – zumal im Entwurf – als eine Konzentration von Möglichkeiten vor, womit auch den im Gebäude hinterlegten Strategien, Konzepten, Programmen, Absichten und Anweisungen ein gewisser „Spielraum“ zugewiesen wird.
Geht es dabei in der Tendenz um Verallgemeinerbarkeit, dann führt bereits der Begriff der „Funktion“ auf das weite Feld der Typologie. Zielt die Voraussicht auf eine Wandelbarkeit innerhalb der Funktion, stehen Variabilität und Flexibilität im Vordergrund.
Wird ein möglicher Wandel der Nutzung selbst unterstellt, können funktionsoffene, nutzungsneutrale oder auch multifunktionale Konzeptionen hinterlegt werden.

Wenn Funktion somit mehr ist als die bloße „Funktionserfüllung“, die ein Gebäude hinsichtlich eines meist nur begrenzt gültigen Nutzungsprogramms zu leisten hat, dann stellt sich zum einen die Frage, ob und wie tradierte Typologien weiterentwickelt werden können, um der „Funktion“ eines zukunftsorientierten Gebäudes zu genügen.
Zum anderen, ob es ausreicht durch Entwicklung immer effizienterer Mittel und Systeme der Tendenz der postindustriellen, hoch individualisierten Gesellschaft zu immer mehr „Varianz und Individulalisierung“ zu entsprechen; oder ob sich nicht zunehmend die Frage nach dem richtigen Maß in der Architektur stellt, die sowohl eine intelligente Rationalisierung der Mittel, als auch eine kluge Beschränkung der Ziele fordert, womit wir bei der Frage nach der Bedeutung von Suffizienz und Resilienz als wesentlicher Funktion zukünftiger Architektur wären …

Dazu zählt auch der „funktionale, womöglich „soziale“ Mehrwert, den eine Architektur, die über die reine „Funktionserfüllung“ hinausgeht, zu leisten im Stande ist. Dies kann eine „erweiterte Funktion“ im Sinne eines größeren „Leistungs- und Gebrauchsprofil“ des Raumangebotes im Innern, als auch die Wechselwirkung von „Drinnen und Draußen“ bezogen auf das Gebäude sein.

Der übergeordnete Zusammenhang (Ganzes), auf den sich Funktion als Teil relational bezieht, kann über das Gebäude hinaus ausgedehnt werden, beispielshalber auf die Stadt. So können Räume wechselweise dem Inneren des Gebäudes oder dem Äußeren der Stadt als „innere Außenräume“ polyvalent zugewiesen werden…

In theoretischer Hinsicht mag in dem hier gesehenen Zusammenhang von strategischer Bedeutung sein, dass Architektur unter dem Begriff „Funktion“ auch autonom, unter dem Begriff „Zweck“ nur gebunden – als Mittel – gedacht werden kann.

Unter drei vorgegebenen Fragestellungen und anhand beispielhafter, gebauter Projekte sollen verschiedene Positionen im Umgang mit der Funktion aufgezeigt und zur Diskussion gestellt werden:

1. Funktion und Architektur (Statement)
Welche Bedeutung hat die Funktion für die architektonische Qualität eines Baus? Welchen Stellenwert nimmt die Funktion beim Zustandekommen von Architektur und Stadt ein. Inwieweit gehören Theorie und Praxis der Funktion zu den Grundlagen der Architektur?

2. Funktion und Entwurf
Ist eine bestimmte und bestimmende Vorstellung der Funktion immer schon eine Voraussetzung des Entwerfens und ein fester Bestandteil eines jeden Entwurfs? Bestimmt die Funktion den Raum, die Form, die Konstruktion, das Material des Baus oder passt sich die Funktion in einer Wechselwirkung an diese an?

3. Funktion und Bau
Auf welche Weise werden die funktionsgebundenen entwurflichen Vorstellungen vermittelt und baulich umgesetzt? Welche Rolle spielt das funktionale Konzept für die architektonische innere und äußere Erscheinung des Gebäudes und wie werden diese Überlegungen auf den verschiedenen Ebenen des Entwurfs- und Planungsprozesses untersucht und präzisiert.