{"id":3821,"date":"2022-02-22T18:17:22","date_gmt":"2022-02-22T17:17:22","guid":{"rendered":"https:\/\/ida.rwth-aachen.de\/?page_id=3821"},"modified":"2024-07-02T13:35:23","modified_gmt":"2024-07-02T11:35:23","slug":"thema-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ida.rwth-aachen.de\/?page_id=3821","title":{"rendered":"ARCHIV: Thema 2024"},"content":{"rendered":"\n<p>Dass ein K\u00f6rper Raum einnimmt, gilt f\u00fcr den architektonischen K\u00f6rper in gleicher Weise, nur dass dieser in seinem Inneren \u2013 im Geb\u00e4ude gleich in der Stadt \u2013 zudem auch Raum und R\u00e4ume selbst hervorbringt. Architektonische K\u00f6rper bestehen aus Formen und R\u00e4umen. Und diese R\u00e4ume sind f\u00fcr die Architektur elementar und daher weder als Leere wahrzunehmen noch als Nichts vorzustellen. Formen und R\u00e4ume sind im architektonischen K\u00f6rper komplement\u00e4r miteinander verbunden. Das Anordnen und Errichten von R\u00e4umen an Orten ist Aufgabe der Architektur, mittels Form \u2013 innerhalb der Form \u2013 l\u00e4sst Architektur die gebrauchten R\u00e4ume erscheinen. Architektonische R\u00e4ume kommen als ortgebundene Innenr\u00e4ume vor, die von Form und Formen begrenzt werden. An diesen begrenzenden Formen beginnen die R\u00e4ume ihr Wesen, ph\u00e4nomenal entlehnt sich also der Raum seiner ihm gewidmeten Form, oder mit anderen Worten: Die Form als Grenze ist die stoffliche Wesensbestimmerin des Raums. Darin liegt die grunds\u00e4tzliche Bedeutung architektonischer Form. <\/p>\n\n\n\n<p>Mitnichten aber beginnt Architektur mit der Form, als vielmehr mit der Idee von Raum und R\u00e4umen und deren vorausahnender Vorstellung. Und erst infolge und danach lassen sich architektonische Formen bestimmen, in deren Mitten die R\u00e4ume erscheinen: \u201eIm Zimmer gestalten wir doch nicht zuerst die W\u00e4nde, den Boden oder die Decke, als vielmehr den Raum, den wir wohnend in Gebrauch nehmen. Wir bekleiden nicht W\u00e4nde, sondern den Raum inmitten der W\u00e4nde. Und erst dieses Gewand l\u00e4sst den Raum als dieses Zimmer erscheinen.\u201c Die Oberfl\u00e4che der Form weist sich zugleich als Oberfl\u00e4che des Raums aus. Und in der Weise, in der die Form durch diese Oberfl\u00e4che begrenzt wird, ihren Umriss erh\u00e4lt und recht eigentlich an dieser Grenze erst ihren Anfang nimmt, so nimmt auch der Raum an derselben Oberfl\u00e4che als seine Begrenzung seinen Anfang: Die Grenze ist also f\u00fcr die Form wie f\u00fcr den Raum ein und dieselbe. Gleicherma\u00dfen also zeigt die Oberfl\u00e4che der Form die \u00e4u\u00dfere Grenze der Form wie die des Raums. Beiderseits dieser materialen \u201eAu\u00dfenfl\u00e4che\u201c beginnen diesseits das Wesen des Raums und jenseits das der Form. Und noch bevor die Form als \u201ebegrenzendes Massiv\u201c sichtbar wird, entlehnt sich der Raum bereits der materialen Oberfl\u00e4che der Form. Der Wahrnehmung nach verdankt der Raum seine Gestalt allein der begrenzenden Fl\u00e4che und nicht dem \u201ebegrenzenden Massiv\u201c. Einerseits legt eine \u00d6ffnung in der Oberfl\u00e4che das Massiv der Form frei \u2013 beispielshalber als Dicke der Wand \u2013, andererseits aber erscheinen \u00d6ffnungen mit ihren begrenzenden Oberfl\u00e4chen grunds\u00e4tzlich selbst auch als eigenst\u00e4ndige R\u00e4ume. Das Erscheinen architektonischen Raums verdankt sich den \u00e4u\u00dferen Fl\u00e4chen der architektonischen Form und die wahrgenommenen \u201eN\u00e4hen\u201c dieser Fl\u00e4chen zueinander bestimmen die inneren Ausdehnungen der R\u00e4ume: \u201eArchitektur als Raumkunst der Grenze und des \u00dcbergangs.\u201c Zun\u00e4chst aber zeigt sich die architektonische Form unmittelbar und wechselseitig mit Material und Konstruktion verbunden. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit Anschluss an die architektonische \u00dcberlieferung k\u00f6nnen Material und die Konstruktion entsprechenden Ausdruck finden und zu (archi-) tektonischem Erscheinen kommen. Dieses \u201eArchitektonische\u201c ist ein wesentliches Charakteristikum der Form und schon die kleinste Fehlstellung in diesen noch einfachen Relationen, f\u00fchrte unmittelbar zu Irritation und Missverst\u00e4ndnis. Gleichwohl erweist sich auch die Form, in der Material und Konstruktion aufgehen, nicht von anderen inneren oder \u00e4u\u00dferen Bestimmungen als unabh\u00e4ngig: Form ist Form des Raums. Architektonische R\u00e4ume zeigen sich als zeit-, ort- und zweckgebundene Innenr\u00e4ume. So ist beispielshalber die Zweckhaftigkeit in der Funktion des Geb\u00e4udes als Konzentration von M\u00f6glichkeiten des Gebrauchs hinterlegt. Das Wirken dieser R\u00e4ume \u2013 ihr Erscheinen \u2013 setzt die Form als materiale, in der Konstruktion gebundene, bauliche Grenze voraus. Daher bestimmt das \u201eArchitektonische\u201c nicht nur den Charakter der Form, als vielmehr auch die Atmosph\u00e4re des Raums. Im Zusammenhang der Konstruktion hatten wir insofern von einer \u201eArchitektonik des Raums\u201c gesprochen. Als bauliche Grenzen bestimmen charakteristische Formen die Atmosph\u00e4ren der R\u00e4ume, nach innen der Zimmer und der H\u00f6fe, nach au\u00dfen der Stra\u00dfen und der Pl\u00e4tze.\u00a0 Beim Entwerfen und Gestalten nehmen wir die Form in der Architektur dennoch als unfrei an, da sie einerseits als Darstellung von Material und Konstruktion und \u00fcber das \u201eArchitektonische\u201c auch immerzu als Analogie zu Anderem vorkommt, beispielshalber zu Natur, zu Konstruktion oder zu Raum. Andererseits und in erweitertem Sinn kommen auch \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse und Bestimmungen in architektonischen Formen zum Tragen, beispielshalber mit dem \u201eOrt\u201c oder mit der \u201eZeit\u201c, vor allem aber mit dem \u201eZweck\u201c \u2013 kulturell und gesellschaftlich \u2013 welcher allein sich im Stande zeigte, die Architektur zu h\u00f6herer Idee und Sinnstiftung zu f\u00fchren: Verschiedene Konnotationen werden vorstellbar, etwa die, der erhabenen Landschaft; des endlosen Raums; der Unergr\u00fcndlichkeit der Zeit \u2013 Verg\u00e4nglichkeit und Zeitlosigkeit \u2013 der Erinnerung und des kulturellen Ged\u00e4chtnisses; der menschlichen und gesellschaftlichen Verfasstheit, der nat\u00fcrlichen Harmonie; der Einfachheit eines guten und richtigen Lebens; der Wahl des Materials und der handwerklichen F\u00fcgung; oder auch die, der Stadt als der monumentalen B\u00fchne der Wohnenden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber zur\u00fcck zur Form, die, obgleich der offensichtlichen Verbindlichkeiten als die entscheidende und letzte Instanz des architektonischen Gestaltens gelten darf, ohne dabei die Architektonik von Material und Konstruktion zu negieren, ohne ihre unmittelbare Raumbindung zu leugnen und vor allem aber auch ohne die \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcsse von Ort, Zeit und Zweck zu \u00fcbergehen. Schon in der planenden Definition von Form und Formen kommt die gestalterische Bedeutung zum Tragen, R\u00e4ume inmitten der Formen errichten wir schlie\u00dflich nur mittelbar. Mit technischen Planzeichnungen, die zur Ausf\u00fchrung dienen, werden mitnichten allein die \u201einneren\u201c Grundlagen festgelegt, die infolge als Eigenschaftlichkeiten des Geb\u00e4udes auftreten, sondern in gleicher Weise auch die \u201e\u00e4u\u00dferen\u201c Grundlagen eingeschrieben, die das Geb\u00e4ude vor Ort und in der Zeit verankern und f\u00fcr seinen Zweck offenhalten. Architektur ist mitnichten Form allein, aber was Architektur wesenhaft ausmacht, findet sich in ihren Formen nachweisbar angelegt, ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Material, die Logik der Konstruktion, das Wirken der R\u00e4ume, viele M\u00f6glichkeiten des Gebrauchs, eine Verbundenheit mit dem Ort, die Konzentration auf die Gegenwart und eine Kultur des Wohnens und der Wohnenden. Und also, aber wir ahnten es schon, die Frage nach der Form bleibt offen, keine Formel, oder, vielleicht als Vorstellung eine \u201eoffene\u201c Form, eine Offenheit, die im Entwurf einer architektonischen Entscheidung bedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>So widmet sich die 6. Aachener Tagung der <em>Form<\/em>. Unter den aufgerufenen Begriffen der Tagungsreihe kommen dabei f\u00fcnf vor, die als \u201einnere\u201c Grundlagen (Material, Funktion, Konstruktion, Raum und Form) zu den wesentlichen Eigenschaften eines Geb\u00e4udes geh\u00f6ren. Drei weitere Begriffe z\u00e4hlen als \u201e\u00e4u\u00dfere\u201c Grundlagen (Ort, Zeit und Zweck) zwar nicht zu den Eigenschaften eines Geb\u00e4udes, aber sie benennen wesentliche Einfl\u00fcsse, unter denen Architektur (ent-)steht. In den f\u00fcnf vorangegangenen Tagungen sind wir den Bedeutungen von \u201eOrt\u201c, von \u201eMaterial\u201c, von \u201eFunktion\u201c, von \u201eKonstruktion\u201c und von \u201eRaum\u201c nachgegangen, die diesj\u00e4hrige Tagung vervollst\u00e4ndigt mit dem Begriff \u201eForm\u201c die f\u00fcnf \u201einneren\u201c Grundlagen der Architektur. Von den drei \u201e\u00e4u\u00dferen\u201c sind \u201eZeit\u201c und \u201eZweck\u201c noch offengeblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Begrifflich beschreibt \u201eForm\u201c den stofflichen Teil des architektonischen K\u00f6rpers. Formen lassen R\u00e4ume erscheinen, aber bringen sie nicht zuerst die Materialien, oder vielleicht wesentlicher noch, ihre Konstruktionen zum Ausdruck? Offensichtlich erscheinen architektonische Formen auch als Formen von Anderem und Anderen, konkret, repr\u00e4sentativ und symbolisch, oder sind sie schlussendlich doch nur als ein autonomer Ausdruck ihrer selbst anzusehen? Diesen Fragen will die 6. Aachener Tagung in gewohnter Weise in Thesendiskussionen anhand realisierter Projekte nachgehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Form und Architektur (Statement)<\/strong><br>Welche Bedeutung hat die Form f\u00fcr die architektonische Gestalt des Baus? Welchen Stellenwert nimmt die Form beim Zustandekommen der Architektur ein? Inwieweit geh\u00f6ren Theorie und Praxis der Form zu den Grundlagen der Architektur?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Form und Entwurf<\/strong><br>Ist eine bestimmte und bestimmende Vorstellung von Form immer schon beim Entwerfen pr\u00e4sent und daher auch ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Entwurfs? Bestimmt die Form Raum, Konstruktion und Material des Baus, oder passt sich die Form in einer Wechselwirkung an diese an?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Form und Bau<\/strong><br>In welcher Weise werden die an die Form gebundenen entwurflichen Vorstellungen baulich umgesetzt? Welche Rolle spielt Form f\u00fcr die architektonische innere und \u00e4u\u00dfere Erscheinung des Geb\u00e4udes und wie und wann werden diese \u00dcberlegungen auf verschiedenen Ebenen des Entwurfs- und Planungsprozesses untersucht und pr\u00e4zisiert?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ein K\u00f6rper Raum einnimmt, gilt f\u00fcr den architektonischen K\u00f6rper in gleicher Weise, nur dass dieser in seinem Inneren \u2013 im Geb\u00e4ude gleich in der Stadt \u2013 zudem auch Raum und R\u00e4ume selbst hervorbringt. Architektonische K\u00f6rper bestehen aus Formen und R\u00e4umen. 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